Manchmal genügt ein einziger Anruf – und plötzlich bewegt sich im gesamten Netzwerk für Menschen alles in eine Richtung. So war es kurz vor Weihnachten 2025, als viele Mitarbeitende zusammenkamen, um zu zeigen, was gelebtes Miteinander wirklich bedeutet.
Im Herbst 2025 erhielt ein Mädchen aus einer der Wohngruppen auf dem Lewenberg die Diagnose Diabetes und musste ins Krankenhaus. Noch keine zehn Jahre alt, lernte sie dort in den folgenden Wochen, mit den neuen Anforderungen ihres Alltags umzugehen. Kurz vor Weihnachten sollte sie endlich nach Hause zurückkehren – doch dann kam alles anders.
Am 17. Dezember erreichte die Kinder- und Jugendhilfe auf dem Lewenberg eine Nachricht, die alle Pläne über den Haufen warf: Der Pflegedienst, der künftig die medizinische Versorgung des Kindes übernehmen sollte, sagte kurzfristig ab. Ohne fachliche Unterstützung drohte dem Mädchen eine Verlegung in eine Spezialeinrichtung – weit weg von allem Vertrauten. Das hätte auch bedeutet, dass sie Weihnachten ohne ihre Geschwister, ihre Wohngruppe und ihre Bezugsbetreuerin hätte verbringen müssen. Ein Gedanke, der für alle Beteiligten unvorstellbar war.
Kurzentschlossen griff die Abteilungsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe zum Telefon und startete einen Hilferuf ins Netzwerk. Binnen kürzester Zeit griffen viele Hände ineinander. Die Vorständin sowie die Abteilungsleitungen Wohnen und Pflegen wurden eingebunden, das Team PflegeZukunft übernahm die Organisation: Wer kann wann? Wie lassen sich die Schichten so planen, dass das Mädchen rund um die Uhr gut betreut ist? Bei Katja Gast, Teamleiterin der Kinder- und Jugendhilfe-Wohngruppen auf dem Lewenberg, liefen alle Fäden zusammen. „Klar war: Wir müssen das gemeinsam schaffen“, erinnert sie sich.
Mitarbeitende aus der Pflege sprangen spontan ein – teils aus dem Urlaub, teils an eigentlich freien Tagen. Es gab kein großes Treffen in einem Konferenzraum, keine lang vorbereitete Sitzung. Stattdessen klingelten Telefone, gingen E-Mails hin und her, und Menschen unterbrachen ihre Arbeit, um gemeinsam zu überlegen: Wie schaffen wir es, dass dieses Kind Weihnachten zu Hause verbringen kann? „Das war echtes Zusammenhalten“, sagt Katja Gast.
Während der Bereich Pflege die fachliche Unterstützung durch notwendige Kontrollen und Spritzen sicherte, veränderte sich auch in der Kinder- und Jugendeinrichtung auf dem Lewenberg in dieser Zeit vieles. Die Erzieherinnen ließen sich schulen und schufen neue Strukturen für die Versorgung des Mädchens. Aus der Frage „Können wir das überhaupt?“ wurde Schritt für Schritt ein „Wir wachsen da hinein – gemeinsam“.
„Ich habe in dieser Zeit so viele Menschen aus dem Netzwerk kennengelernt, mit denen ich sonst kaum Berührungspunkte habe. Alle haben eng zusammengearbeitet – mit dem einzigen Ziel, diesem Mädchen zu ermöglichen, Weihnachten in einem vertrauten Umfeld zu verbringen“, erzählt Katja Gast.
Am 22. Dezember war es dann so weit: Katja Gast und ein Kollege aus dem Team PflegeZukunft holten das Mädchen mit einem Netzwerk-Bus aus der Klinik ab. Als der Wagen auf den Lewenberg rollte, warteten schon ihre Geschwister und die Bezugsbetreuerin des Mädchens.
In dem Moment, als das Kind ausstieg, kniete sich die Betreuerin hin. Das Mädchen warf sich in ihre Arme und begann zu weinen – vor Erleichterung, vor Glück, endlich wieder zu Hause zu sein. „Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an dieses Willkommen zurückdenke“, erinnert sich Katja Gast. „Da blieb wirklich kein Auge trocken.“
Am Abend gab es ein Willkommensessen. Auf dem Tisch standen Gemüseplatten, Aufstriche und kleine Leckereien, die zum neuen Alltag des Mädchens passten. An der Wand hing ein buntes Plakat, gebastelt von den Geschwistern – mit großen Buchstaben war zu lesen: Willkommen zurück! Dieser Abend machte deutlich: Du gehörst hierher, und wir freuen uns, dass du wieder da bist.
„Das ist es, was unser Netzwerk ausmacht“, betont eine Abteilungsleiterin. „Das war eine Aktion mit Herz. Sie zeigt, was möglich ist, wenn alle zusammenarbeiten – über Abteilungen und Zuständigkeiten hinweg. Ganz nach unserem Jahresmotto: Miteinander verschieden – füreinander da.“
Auf dem Papier ist das ein Leitgedanke, ein Satz unter vielen. In dieser Geschichte aber wird er lebendig. Unterschiedliche Bereiche, verschiedene Aufgabenfelder und Menschen mit ganz eigenen Verantwortlichkeiten wachsen zu einem Netzwerk zusammen, das einem Kind einen Weihnachtswunsch erfüllt – nicht, weil es ihre Arbeit ist, sondern weil sie es wollen.
Am Ende bleibt mehr als eine organisatorische Leistung. Es bleibt die Erinnerung an ein vor Freude weinendes Kind in den Armen seiner Bezugsbetreuerin, an Mitarbeitende, die Dienstpläne umwerfen, spontan Fortbildungen besuchen, Nächte durchwachen und sich gegenseitig den Rücken stärken. Und es bleibt die Gewissheit: Ein Weihnachtswunder fällt nicht vom Himmel. Es entsteht dort, wo Menschen sich verbinden.
